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Glaubt die römisch-katholische
Kirche Die Bibel ist die von Gott gegebene Grundlage, das Fundament, des christlichen Glaubens. Akzeptiert die römisch-katholische Kirche die Bibel als die alleinige Autorität und das einzige Kriterium des Glaubens, oder stützt sich diese Kirche - wie die meisten Sekten - auf weitere Offenbarungen und Autoritäten? Glaubt sie an die Irrtumslosigkeit und Autorität der Bibel, oder verwirft sie diese und stellt sie sich selber als irrtumslos und autoritär in allen Lehrfragen hin? Lassen wir zur Beantwortung dieser Frage die Kirche selbst reden:
Hier sehen wir zunächst, daß es für die katholische Kirche neben dem geschriebenen Wort Gottes noch eine ungeschriebene Überlieferung gibt, der die gleiche Autorität beigemessen wird. Die Kirche beschreibt sie folgenderweise:
Wer sich weigert, die ungeschriebene Überlieferung als Gottes Wort zu achten, wird sogar per unfehlbarem Dogma [siehe dazu die Erklärung zu unfehlbaren Artikeln in Neuner-Roos: Der Glaube der Kirche, S. 24] mit Kirchenausschluß bestraft:
Die Kirche selbst bezeichnet sowohl das geschriebene Wort als auch die Überlieferung als die Glaubensgrundlage ihrer Theologie:
Daraus ergibt sich jedoch das Problem, zu bestimmen, worin diese Überlieferung eigentlich besteht. Will man sie als verbindliche Glaubensgrundlage heranziehen, muß ja festgelegt sein, was apostolische Überlieferung ist und was nicht. Aber die Behauptung der Kirche, ihre als apostolische Überlieferung ausgegebenen Lehren stammten von den Aposteln, entbehrt jeder Begründbarkeit. Die Kirche kann von keiner dieser Lehren einen apostolischen Ursprung nachweisen, vielmehr ist aus ihren eigenen Dokumenten ersichtlich, daß sie erst viel später eingeführt wurden (z.B. die Unfehlbarkeit des Papstes im Jahr 1870). So kann die Kirche ihre Lehrentscheidungen recht willkürlich mit einer imaginären Überlieferung begründen.
Die sogenannte Überlieferung ist aber nicht die einzige Offenbarungsquelle, die die römisch-katholische Kirche neben der herkömmlichen Bibel heranzieht. Ihre offizielle Bibelausgabe umfaßt im Alten Testament sieben Bücher mehr als die ursprüngliche Bibel. Die Bücher Tobit, Judit, 1. und 2. Makkabäer, Weisheit, Jesus Sirach und Baruch sind die sogenannten Apokryphen, zu denen außerdem noch einzelne Kapitel anderer Bücher (z.B. Daniel 13-14) zählen. Daß diese Bücher nicht zur Bibel gehören, ist zum einen aus der jüdischen Geschichte ersichtlich (auch im Neuen Testament werden keine Zitate aus den Apokryphen angeführt, wohingegen fast sämtliche Bücher des Alten Testaments dort zitiert werden [Arend Remmers, Das Neue Testament im Überblick, S. 176-182]), zum anderen auch aus der Kirchengeschichte [J. McDowell, Die Bibel im Test, S. 67-72]. Selbst Hieronymus, der der römisch-katholischen Kirche ihre offizielle lateinische Bibelübersetzung, die Vulgata, gab, lehnte die Apokryphen als nichtinspiriert ab. Erst nach seinem Tod wurden die Apokryphen zur Vulgata hinzugefügt. Als kanonisch, d.h. zur Bibel gehörend, erklärte die katholische Kirche die Apokryphen erst im Jahr 1546 auf dem Konzil zu Trient - wohl um ihre Lehren (z.B. die Ablaßlehre) vor den Reformatoren zu verteidigen. Wer die Rechtmäßigkeit dieser Entscheidung bezweifelt, wird von der Kirche hart gestraft:
Aus diesem Grund bleibt es sowohl Katholiken als auch anderen Christen nicht selbst überlassen, welche Bibelausgabe oder Übersetzung sie zu ihrem persönlichen Gebrauch verwenden, sondern die Kirche schreibt vor, welche Ausgaben sich der "Zustimmung der kirchlichen Autorität" erfreuen:
Auf Initiative der römisch-katholischen Kirche hin kam aufgrund dieses Beschlusses dann die sogenannte Einheitsübersetzung der Bibel zustande, an der sich auch die Evangelische Kirche Deutschlands beteiligte und die deshalb als ökumenisch gilt. Die Apokryphen sind hier wie selbstverständlich in die biblischen Bücher eingereiht, doch wird z.B. im einleitenden Kommentar zu den Makkabäerbüchern eingestanden:
Als Begründung für die rechtmäßige Stellung dieser Bücher zieht die Kirche also ihre eigene außerbiblische Lehre heran. Damit begeht sie einen klassischen Zirkelschluß. Die biblische Richtigkeit ihrer Lehre begründet sie mit den Apokryphen, die sie wiederum aufgrund ihrer Übereinstimmung mit der kirchlichen Lehre als biblisch erklärt hat. So stellt sich die Kirche in ihrer Autorität selbst über die Schrift. Mit ihrer Herausgabe der Einheitsübersetzung bezeugt die röm.-kath. Kirche außerdem, daß sie nicht an die Wahrheit der Bibel glaubt, sondern daß sie vielmehr der Bibel Lügen unterstellt. So behauptet die Einheitsübersetzung z.B., die 5 Bücher Mose seien nicht von Mose, sondern z.T. erst viel später entstanden, das Buch Prediger ("Kohelet") sei nicht von Salomo (wie das Buch ausdrücklich besagt), sondern erst Mitte des 3. Jahrhunderts v.Chr. entstanden, die Timotheusbriefe und der Titusbrief seien womöglich nicht - wie sie behaupten - von Paulus und der 2. Petrusbrief womöglich nicht von Petrus. Damit erheben sich die Herausgeber der Einheitsübersetzung über die Bibel und glauben lieber einer atheistischen Wissenschaft als dem untrüglichen Wort Gottes. Und sie ignorieren damit, dass es außer der auf atheistischen Prinzipien beruhenden historisch-kritischen Theologie auch bibeltreue Theologen gibt, die mit wissenschaftlichen Befunden die Echtheit und Authentizität der biblischen Bücher bestätigen.
Die sich über die Bibel erhebende, anmaßende Autorität der röm.-kath. Kirche wird auch deutlich, wenn es um die Frage der Auslegung der Bibel geht. Lehrunterschiede zwischen verschiedenen christlichen Gemeinschaften beruhen vielfach auf unterschiedliche Auslegung biblischer Aussagen. Die Auslegung ist also unter Umständen entscheidend für den letztendlichen Glaubensinhalt. Die Kirche trifft klare Aussagen dazu, wer die richtige Auslegung zu treffen hat:
Die Auslegung biblischer Aussagen ist den Gelehrten und Bevollmächtigten deshalb vorenthalten, weil sie laut katholischer Kirche hohe wissenschaftliche, kulturgeschichtliche und sprachliche Kenntnisse voraussetzt:
Wenn die Kirche hier selbst ausdrücklich sagt, daß sie ihr Urteil "aufgrund wissenschaftlicher Vorarbeit" trifft, erhebt sie damit diese menschliche Wissenschaft über das Wort Gottes. Der Kirche zufolge kann ein Laie also gar nicht den tieferen Sinn biblischer Texte verstehen, weil ihm die notwendigen Voraussetzungen fehlen. Er kann seinen Glauben demnach nicht unmittelbar dem Wort Gottes entnehmen, sondern muß das annehmen, was die Kirche ihm vorlegt:
Die kirchlichen Glaubensvorgaben finden insbesondere in den Dogmen ihren Ausdruck, die das Lehramt der Kirche definiert und die der Katholik zu glauben verpflichtet ist:
Den Umstand, daß im Lauf der Zeit stets neue Dogmen verkündet werden, begründet die katholische Kirche mit einer angeblichen Weiterentwicklung der oben erläuterten "Überlieferung":
Der Heilige Geist wird hier zwar als Beistand bezeichnet, die Aufgabe der Leitung bei der Aufrichtung der Glaubenswahrheit schreibt die katholische Kirche aber ihrem offiziellen Lehramt zu:
Es ist sicherlich eine Sache, das "Wort Gottes" als Glaubensgrundlage zu bezeichnen, und eine andere Sache, dann nicht nur selbst zu bestimmen, was Wort Gottes ist, sondern auch noch die eigenen Lehrverkündigungen als Wort Gottes zu bezeichnen. Bekannterweise gibt sich die römisch-katholische Kirche und ihr Oberhaupt, den Bischof von Rom, als unfehlbar aus, wenn sie zu den Christen eine Lehre bezüglich Glaubens- oder Sittenfragen verkündet:
Hier schreibt die Kirche Christus zu, er habe den Hirten Unfehlbarkeit verliehen; eine biblische Begründung kann sie dafür jedoch nicht liefern, da sich die Lehre von der Unfehlbarkeit nicht auf das geschriebene Wort stützt. Dem Herrn Jesus wird hier also etwas unterstellt und seine Autorität in seinem Wort untergraben.
Die römisch-katholische Kirche lehrt also, - daß die kirchliche Überlieferung dieselbe Autorität hat wie die Heilige Schrift und ihre Mißachtung Kirchenausschluß nach sich zieht, - daß die Apokryphen kanonisch sind und deren Ablehnung mit Kirchenausschluß bestraft wird, - daß die Bibel lügt, z.B. wenn sie Salomo als Autor des Buches Prediger nennt oder Paulus als Autor einiger Briefe - daß die Auslegung der Bibel nur vom Lehramt der Kirche bestimmt werden kann, - daß der Sinn biblischer Aussagen nur unter Verwendung wissenschaftlicher Methoden erschlossen werden kann, - daß Katholiken alles glauben müssen, was die Kirche ihnen zu glauben vorlegt, insbesondere ihre Dogmen, - daß aufgrund des Fortschritts der apostolischen Überlieferung stets neue gültige Dogmen verkündet werden können, - daß die Glaubensleitung des Volkes Gottes dem Lehramt der Kirche obliegt, - daß das Lehramt der Kirche mit dem Papst als Oberhaupt unfehlbare Lehrentscheidungen verkünden kann, die als Wort Gottes gelten.
Man könnte vielleicht meinen, der Anspruch der römisch-katholischen
Kirche auf ein Lehrmonopol sei insofern berechtigt, als dadurch die Entstehung
von Irrlehren und Sekten verhindert würde. Leider müssen wir
feststellen, daß durch dieses Lehrmonopol genau das Gegenteil eingetreten
ist. Wie wir im Verlauf dieses Buches noch sehen werden, ist die Dogmatik
der römischen Kirche in vielerlei Hinsicht eine Ansammlung von Lehren,
die der Bibel völlig fremd sind. Aufgrund einer willkürlich
und beliebig erweiterbaren Überlieferung, die im Gegensatz zur Bibel
jeder historischen Glaubwürdigkeit entbehrt und die die Kirche dennoch
als Wort Gottes ausgibt, konnten viele unbiblische Lehren Eingang in das
katholische Glaubensgut finden.
Vorbeugende Maßnahmen gegen Irrlehren und Sekten sind sicherlich ein berechtigtes Anliegen, zumal die Bibel ausdrücklich warnt:
Diese Voraussagen bezogen sich nicht nur auf eine Jahrtausende später kommende Zeit, sondern erfüllten sich bereits, als die biblischen Bücher gerade geschrieben wurden, also noch während des 1. Jahrunderts nach Christus. Ein beträchtlicher Teil des Neuen Testaments behandelt solche aufkommenden Irrlehren wie z.B. gesetzlicher Judaismus (Galaterbrief) und Leugnung der Auferstehung (1. Korinther 15) und verteidigt den reinen christlichen Glauben dagegen. Von daher stellen die biblischen Schriften die Grundlage zur Verteidigung gegen Irrlehren und zur Korrektur bei falscher Lehre dar. Die Bibel bezeugt wiederholte Male, daß das geschriebene, von Gott eingegebene Wort Gottes die hinlängliche und alleinige Grundlage von Glauben und Lehre ist. Hier nur einige Beispiele:
Die am häufigsten gestellte Frage des Herrn Jesus
war die nach Kenntnis der Schrift: "Habt ihr nicht gelesen ...?"
(Mt 12,3.5; 19,4; 21,16.42; 22,31; Mk 2,25; 12,10.26; Lk 6,3; 10,26).
Allein in seinem Brief an die Römer beruft sich Paulus 18 mal durch
die Ausdrücke "wie geschrieben steht", "denn es steht
geschrieben" und "die Schrift sagt" auf das geschriebene
Wort Gottes. Er zitiert das Alte Testament in diesem Brief ingesamt 50
mal und zieht es an anderer Stelle ebenfalls zur Widerlegung verschiedener
Irrlehren heran.
Also sind es nicht die religiösen Führungspersonen und deren Lehren, denen der Gläubige unumschränkt vertrauen und gehorchen soll, sondern vielmehr Gott selbst, der in seinem Wort spricht. Das "man muß Gott mehr gehorchen als Menschen" (Apg 5,29) gilt besonders, wenn es um das Seelenheil geht, denn diese Sache ist zu wichtig, als daß dabei auf Menschen vertraut werden könnte:
Und am Ende der Bibel lesen wir:
Viele Lehren der katholischen Kirche wird man in der Bibel
jedoch vergeblich suchen. Der Schreiber des Hebräerbriefes würde
sie als "fremde Lehren" bezeichnen, von denen man sich "nicht
fortreißen" lassen soll (Hebr 13,9). Die Bibel spricht auch
nirgends von zukünftigen weiteren Offenbarungen Gottes oder mündlichen
Überlieferungen, welche die Gläubigen anzunehmen hätten,
und genausowenig von Menschen mit höchster religiöser Autorität.
Petrus, den die katholische Kirche als ersten Papst verehrt, schreibt
in seinem 2. Brief davon, daß er bald sterben werde (2Pt 1,14),
sagt jedoch nichts von einem etwaigen Nachfolger. Vielmehr erinnert er
die Gläubigen an das bereits bekannte "prophetische Wort"
(Vers 19) und legt Nachdruck auf die "Weissagung der Schrift"
(Vers 20).
Das Erkennen der Wahrheit im Wort Gottes geschieht auch nicht, wie die katholische Kirche lehrt, durch rein intellektuelles Nachsinnen und wissenschaftliches Forschen, sondern wird dem zuteil, der das Wort kennt und ihm treu bleibt: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen (Joh 8,31.32). Es ist ja derselbe Heilige Geist, der den Gläubigen
in die ganze Wahrheit leitet (Joh 16,13), der uns auch die Bibel durch
Inspiration ihrer Schreiber gegeben hat. Er ist es, und nicht das Lehramt
der Kirche, der Glauben und Lehre der Christen leitet und aufrechterhält.
Die Autorität und Macht des Wortes erweist sich insbesondere in seiner Wirksamkeit. Millionen von Menschen sind bisher durch das Lesen und Hören dieses Evangeliums ihres sündigen Lebens überführt worden, haben sich bekehrt und Jesus Christus als ihren persönlichen Herrn und Erlöser angenommen.
Das kann von keiner anderen Überlieferung, keinem Dogma, keiner Lehre oder sonstigen "Offenbarung" gesagt werden; keine andere Schrift oder Verkündigung konnte Menschen zu einem geheiligten und erfüllten Leben mit Gott führen, als allein die Bibel. Und von keiner anderen Schrift können diese Menschen dann das sagen, was wir in Psalm 119 lesen:
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