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Wenn wir die Indizien für die Glaubwürdigkeit der Bibel betrachten,
dürfen wir einen der größten Beweise für die göttliche
Inspiration nicht übersehen: den eindrucksvollen Plan der Errettung,
den die Bibel offenbart. Ganz offensichtlich hat kein Mensch die Botschaft
des Evangeliums erfunden, weil der Inhalt dieser Botschaft dem Menschen
zuwider ist. Menschlich gesagt, gibt es nichts an Gottes Weg der Errettung,
was auf etwaige Anhänger attraktiv wirken würde. Doch erstaunlicherweise
drängten sich Menschen in Scharen auf diesem Weg ins Reich Gottes,
seitdem die Einladung des Evangeliums zum ersten Mal verkündet wurde
(Lukas 16,16).
In der Bibel wird bereits vorausgesagt, dass ihre Botschaft für den
natürlichen Menschen unpopulär ist, denn sie beschreibt das
Evangelium mit Ausdrücken wie "das Ärgernis des Kreuzes"
(Galater 5,11), "die Torheit der Predigt" (1. Korinther 1,21)
und "ein Stein des Anstoßes" (1. Korinther 1,23). Das
Kreuz ist ein Ärgernis für die Morallehre, weil es bedeutet,
dass Werke niemanden gerecht machen; es ist ein Ärgernis für
die Philosophie, weil es nicht Verstand, sondern Glauben verlangt; das
Kreuz ist ein Ärgernis für die Kultur, weil die Wahrheit des
Evangeliums auch kleinen Kindern offenbart wird; es ist ein Ärgernis
für das Klassendenken, weil Gott die Armen und die Niedrigen erwählt;
und es ist ein Ärgernis für den eigenen Willen, weil es zu bedingungsloser
Ergebung aufruft.
Zu den ersten Botschaften, die ein Evangelist seinem Hörer mitteilen
muss, gehört die Tatsache, dass er ein verlorener und schuldiger
Sünder ist (Römer 3,10-18). Das ist für den Hörer
natürlich eine Beleidigung, die seine Vorstellung von seiner eigenen
moralischen Ehrenhaftigkeit verletzt. Er rühmt sich, besser zu sein
als seine Mitmenschen und kann den Gedanken nicht dulden, er sei nicht
gut genug für den Himmel. Wenn man ihm die ganze Wahrheit sagt -
dass er in Gottes Augen durch und durch verdorben ist -, ist ihm das wirklich
zu viel und folglich verschließt er seine Ohren für die christliche
Botschaft, wenn nicht der Heilige Geist an seiner Seele wirkt.
Als nächster Schritt muss dem Sünder gesagt werden, dass er
Errettung braucht: "Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle
ebenso umkommen" (Lukas 13,3.5). Das ist ein erschütternder
Schlag gegen sein Ego. Bisher hat er großen Wert auf seine Unabhängigkeit
gelegt. Vielleicht ist er ein erfolgreicher Geschäftsmann, oder er
ist sehr religiös und arbeitet sogar aktiv in der Kirche mit. Die
Botschaft, dass er ins ewige Verderben fährt, wenn er in seinen Sünden
stirbt, steht definitiv im Widerspruch mit allem, was er geglaubt hat
oder glauben möchte (Johannes 5,40).
Aber damit nicht genug! Jeder, der sich überlegt, Christ zu werden,
muss einsehen, dass er sich nicht selbst retten kann: "
dass
der Weg des Menschen nicht in seiner Macht steht und dass es keinem, der
geht, gegeben ist, seinen Schritt zu lenken" (Jeremia 10,23). Das
ist eine bittere und schwer zu schluckende Pille! Der Sünder glaubt,
dass er sehr wohl viel tun kann. Muss er wirklich glauben, dass "all
unsere Gerechtigkeiten wie ein beflecktes Kleid" sind (Jesaja 64,6)?
Der einzige Retter
Dann hört er, dass es nur einen gibt, der retten kann, und dass ist
der Herr Jesus Christus, der gesagt hat: "Ich bin der Weg und die
Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich"
(Johannes 14,6). Das verletzt sicherlich seine Ansichten von religiöser
Toleranz und philosophischer Freiheit. Wenn der christliche Glaube von
sich behauptet, der einzig wahre Glaube zu sein, dann will er diesen Glauben
nicht haben. Er zieht es vor, nicht engstirnig, sondern "weitherzig"
zu sein und zu glauben, dass alle Religionen etwas Gutes an sich haben
und dass sie alle irgendwie zu Gott führen.
Außerdem wird er die grundlegenden Lehren über Jesus Christus
ablehnen. Er meint, die Jungfrauengeburt sei ziemlich unlogisch (Matthäus
1,18). Ihm bereitet der Gedanke Schwierigkeiten, dass Jesus sowohl Gott
als auch Mensch in einer Person ist (Johannes 1,1.14). Die Lehre, dass
der Herr Jesus stellvertretend für Sünder wie ihn starb, erscheint
ihm ungerecht, und sein inneres Feingefühl rebelliert gegen die biblische
Lehre, dass Jesu vergossenes Blut am Kreuz das Lösegeld für
Sünder war (Galater 2,20; 1. Petrus 1,18.19). Die buchstäbliche,
leibhaftige Auferstehung Jesu (1. Korinther 15,20) bereitet ihm Schwierigkeiten,
weil etwas Derartiges seinen Erfahrungshorizont übersteigt.
Der einzige Weg
Als nächstes muss ihm gesagt werden, dass es nur einen Weg gibt,
wie ein Sünder gerettet werden kann: durch Glauben an den Herrn Jesus
Christus (Johannes 6,47). Das ist ihm ein widerwärtiger Gedanke,
da es ihm den Boden unter seinen Füßen wegreißt. Er hat
sich bisher auf seinen "guten Charakter" verlassen, auf seine
Taten der Nächstenliebe, seinen Kirchenbesuch und auf seinen guten
Ruf in seinem Bekanntenkreis. Doch nun soll er das alles verwerfen und
als bußfertiger Sünder zum Herrn Jesus kommen. Er darf nichts
tun, was ihm einen Grund zu Stolz liefern würde. Nichts anderes kann
er tun als nur an Jesus zu glauben. Das ist eine völlig unrühmliche
Tat, aber die einzige einsichtsvolle, vernünftige, logische Tat,
wie ein Mensch sich gegenüber seinem Schöpfer verhalten kann.
Noch eine demütigende Tatsache
Und als würde das noch nicht ausreichen, um ihn in den Staub zu demütigen,
wird ihm als nächstes gesagt: "Nicht viele Weise nach dem Fleisch,
nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind (von Gott berufen); sondern
das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen
zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt,
damit er das Starke zuschanden mache. Und das Unedle der Welt und das
Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nicht ist, damit er das,
was ist, zunichte mache, dass sich vor Gott kein Fleisch rühme"
(1. Korinther 1,26-29). So wird ihm also ein Glaube vorgestellt, bei dem
gesellschaftliches Ansehen keinen Vorteil bietet und in welchem die Mitgläubigen
üblicherweise die Demütigen dieser Erde sind: Sklaven, Fischer
und "niedriges Gesindel".
Die Bedingungen der Jüngerschaft
Außerdem sollte bei der Verkündigung des Evangeliums nicht
vergessen werden, dass der Herr Jesus strengste Bedingungen für diejenigen
auferlegte, die ihm folgen wollten. Diese Bedingungen widersprechen jeder
Marketing-Strategie zur Gewinnung einer möglichst großen Anhängerschar.
Er forderte eine absolute Liebe zu ihm, die Vorrang hat vor allen irdischen
Beziehungen (Lukas 14,26). Er rief auf, allem irdischen Besitz zu entsagen,
um ihm mit Hingabe und Leidenschaft zu folgen (Lukas 14,33). Er bestand
darauf, dass man sich selbst verleugnet, auf alle sogenannten "Rechte"
verzichtet und bereit ist, ihm sogar bis in den Tod zu folgen (Lukas 9,23-24).
Darüber hinaus sagte er, dass jeder wahre Gläubige Leid erfahren
wird (Johannes 16,33), dass solche, die gottesfürchtig leben wollen,
verfolgt und Feuerproben nicht ungewöhnlich sein werden (2. Timotheus
3,12; 1. Petrus 4,12).
Weitere einschränkende Faktoren
Und trotz all dieser offensichtlichen Erschwernisse, die es nicht leicht
machen, das Evangelium anzunehmen, könnte man immer noch einwenden,
dass ein begabter Redner wahrscheinlich etliche Leute überreden könnte,
Christen zu werden. Doch Gott hat es so gefügt, dass nicht nur die
Botschaft, sondern auch die Methode ihrer Verkündigung nach normalem
Ermessen scheitern müsste.
Erstens geht der Evangelist nicht hinaus, um Menschen aus eigener Kraft
zu bekehren, denn die Errettung ist ausdrücklich nicht "aus
dem Willen des Menschen" (Johannes 1,13). Zweitens darf er sich nicht
auf seine Redegabe oder sein Wissen verlassen, um Ergebnisse zu erzielen,
denn dann würden die Hörer aufgrund einer falschen Motivation
angezogen. Nichts darf die wahre Bedeutung des Kreuzes Jesu verschleiern
(1. Korinther 1,17; 2,1.4). Drittens hängen die Ergebnisse seiner
Verkündigung davon ab, ob er selber heilig lebt (Johannes 15,4),
ob andere Christen im Gebet hinter ihm stehen (2. Korinther 1,11) und
von der Haltung, mit welcher seine Zuhörer die Botschaft aufnehmen
(Apostelgeschichte 17,32). Und schließlich hängen die Resultate
seines Wirkens vom souveränen Eingreifen des Heiligen Geistes Gottes
ab (Johannes 3,8).
Wenn man, um Christ zu werden, nichts anderes tun müsste, als bloß
einem formalen Glaubensbekenntnis zuzustimmen oder sich einer Kirche anzuschließen,
dann könnte der Evangelist morgens vernünftigerweise ganz zuversichtlich
sein, dass er abends viele "Bekehrte gemacht" haben wird. Doch
der Evangelist kann nichts anderes tun, als in der Kraft des Heiligen
Geistes treu das Evangelium verkündigen, für Ergebnisse der
Verkündigung beten und dann darauf warten, dass Gott das Werk an
den Herzen zu seiner eigener Zeit und auf seinem eigenen Weg vollbringt.
Der Triumphzug des Evangeliums
Deshalb sagen wir nochmals: Weder die Botschaft noch die Methode der Evangelisation
ist so gestaltet, dass zu erwarten wäre, dass in aller Welt hingegebene
Jünger Jesu gewonnen werden. Wenn jemand eine Werbemethode entwerfen
sollte, die nach menschlichem Ermessen zum Scheitern verurteilt ist, könnte
er sich wohl kaum eine mehr zum Scheitern verurteilte Methode ausdenken,
als die der biblischen Evangelisation. Doch trotz dieser offensichtlichen
Nachteile und Erschwernisse hat das Evangelium einen glorreichen Triumphzug
gehalten! Es wurde auf allen Kontinenten unter großer menschlicher
Schwachheit verkündet und hat dabei eine große Schar leidenschaftlicher
Jünger geworben, die bereit sind, für jemanden zu sterben, den
sie noch nie gesehen haben. Menschen jeglicher Hautfarbe, Herkunft, Kultur
und Lebensweise - allesamt Sünder - haben sich dem Retter Jesus Christus
zu Füßen geworfen und ihn als Herrn ihres Lebens und als Herrn
des Himmels und der Erde anerkannt!
Da können wir nur demütig eingestehen, dass kein Mensch jemals
dieses Evangelium hätte erfinden können. Die Bibel bezeugt es
selbst, dass sie Gottes frohe Botschaft ist - eine Botschaft, die von
Gottes Weisheit ermöglicht wurde und von Gottes Macht begleitet wird.
| Auszug aus dem Buch "Ist die Bibel
Wahrheit?" von William MacDonald. © Betanien
Verlag, Bielefeld, 2002 |
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